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 Manuel Betz
Dipl. Ing & Medizinstudent

Habe ich CFS / Long Covid? Wie fühlt sich das an?

Aktualisiert: 14. Juli 2022

Es ist der Disclaimer zu beachten [0].


Habe ich CFS / Long Covid?

Ein gutes Video, für den ersten Überblick, ist von Dr. Eckart Hirschhausen auf der ARD-Mediathek zu finden. Ich selbst beschreibe CFS/LongCovid als eine vielschichtige Erkrankung, die mehrere Bereiche des menschlichen Stoffwechsels stark belastet.

Erschreckend ist, dass die Krankheit CFS keineswegs selten ist [1] und es dennoch so viele verschiedene Namen dafür gibt. Man findet die "gleiche" Erkrankung unter den Begriffen: CFS/ME/LongCovid/PostCovid/PEM (POST-EXERTIONALE MALAISE).

In ihrem Mittelpunkt stehen die Zustandsverschlechterungen nach Alltagsbelastungen (postexertionelle Malaise) und eine oft schwere Erschöpfung (Fatigue), des weiteren Schmerzen, Störungen von Schlaf, Denk- und Merkfähigkeit sowie Fehlregulationen von Kreislauf, Hormon- und Immunsystem. Weil die Krankheit bis heute eine Ausschlussdiagnose ist und damit auf einer sorgfältigen Stufendiagnostik beruht, stellt ME/CFS hohe Anforderungen an die Behandler. Oft wird der Patient mit der Diagnose "Psychosomatisch" vom Arzt nach Hause oder fälschlicherweise in eine Klinik geschickt und flasch Behandelt.

Kein Wunder, dass der betroffene hier selbst nicht mehr den "Durchblick" behält und wie es aussieht die namensgebende Ärzteschaft auch nicht.


Also habe ich jetzt longVirus?

Offiziell ist die Sache nicht so einfach. Diagnosekriterien sind zum Beispiel:

  • Kanadische Kriterien [8] zur Diagnose von ME/CFS. Zur Diagnose von ME/CFS müssen Symptome ausfolgenden Kategorien jeweils komplett oder teilweise zutreffen: - Erschöpfung/Fatigue und Zustandsverschlechterung nach Belastung - Schlafstörungen - Schmerzen - Neurologische bzw. kognitive Einschränkungen - Autonome Manifestationen - Neuroendokrine Störungen - Immunologische Störungen

Wie fühlt sich CFS/LongCovid an?

Wenn es keine klare Diagnose gibt - wie kann ich dann meine Beschwerden einordnen?

Im Mittelpunkt stehen hauptsächlich Zustandsverschlechterungen. Diese machen sich durch starke Erschöpfung nach Alltagsbelastung bemerkbar: Störungen von Schlaf, Denk- und Merkfähigkeit sowie Fehlregulationen von Kreislauf, Hormon- und Immunsystem. Häufig sind auch folgende Symptome mit täglichen Schwankungen: Herzrasen, verschwommenes

Sehen, Krämpfe nach Treppensteigen, Depressionen, Reizüberlastung nach TV, Geräuschen oder während dem Autofahren.


Erschöpfung ist mehr als Müdigkeit.

"Normal" verbindet man Erschöpfung mit Müdigkeit.

„Leg dich hin, schlafe ein bisschen dann bist du wieder fit“ – leider trifft dies bei CFS/LongCovid in seiner schweren Phase nicht mehr zu. Man schläft aber der Körper fühlt sich einfach nicht besser. Auch nach Tagen oder Wochen [4] geht die Erschöpfung nicht weg und man fühlt sich immer ähnlich kaputt und krank. Unterschätzt wird oft die auftretende Müdigkeit bei Kindern. Diese sind in der Schule abwesend, bedrückt, energielos und depressiv. Oft fällt dies nicht auf und man denkt "das Mädchen/der Junge ist ja noch jung - was soll da schon sein". Klar wird aber, dass diese Kinder ihre eigene Lebensqualität oft sehr schlecht bewerten [7] und die Erschöpfung auf den zweiten Blick dann doch sichtbar wird.


Diagnose "nur durch Ausschluss" wie kann ich Versuchen meine Symptome einzuordnen?

Ich sehe viele Faktoren und Risiken die eine belegbare Rolle bei der Erkrakung CFS/LongCovid spielen: Zu Beginn der Erkrankung steht häufig ein Faktor von außen. Ein Virus, Parasit oder starker Immuntrigger, wie eine Impfung, stören das Gleichgewicht unseres Körpers [3]. Der Stoffwechsel passt sich an und verschiebt die biochemischen Reaktionen so, dass er reagieren kann auf die "Gefahr". Gelingt das nicht effektiv bleibt der Körper im "Reparaturmodus" gefangen. Der Körper hat nicht genug Energie (gestörter Stoffwechsel) sich aus dem Ungleichgewicht zu befreien. Die Erkrankung bleibt...

Hauptfaktoren einer Erkrankung:

  1. Infektion/Virus [3]

  2. Viren wechseln sich ab Herpes, EBV, Corona... es treten stille Reaktivierungen auf [5,6]

  3. Mitochondrien & Immunsystem spielen eine zentrale Rolle [5,6]

  4. Mitochondrien verringerte zelluläres ATP-Bildung [10]

  5. Immunsystem in Dysbalance - Autoimmunkörperbildung [8]

  6. Cortisol Spiegel (gemessen um 08:00 Uhr) im unteren Referenzbereich ist häufig



Warum fehlt die Energie zur Regeneration?

- Das Virus kostet uns durch Schädigung unserer Blutgefäße sowie Beeinflussung des Immunsystems und dem nicht endenden Reparaturzustand unglaublich viel Energie.

- psychischer oder sozial/gesellschaftlicher Stress sind in der modernen Welt zu großen Energieräubern geworden.

- Mitochondrien (unsere "Elektronenkraftwerke") sind beschädigt und mit dem Virus beschäftigt.

- Unsere Umwelt wird immer giftiger und unsere Nahrungsmittel immer schlechter - ja man müsste nach Studienlage das bis zu vielfache essen um auf die Menge/Qualität an Vitaminen und Mineralien von 1910 zu kommen.

- Hormone werden oft falsch eingeordnet oder einfach gar nicht berücksichtigt. Diese sind genauso von der Stoffwechselverschiebung betroffen wie andere Faktoren.

- Der Darm befindet sich aufgrund der modernen Ernärhunrg in Dysbiose, schwächt das Immunsystem und sorgt für dessen Dauereinsatz.



Fazit:

Viele werden jetzt denken: die Punkte auf dem Bild finde ich jetzt auch bei anderen Krankheiten. Dem schließe ich mich an und wenn man sich traut über den Tellerrand zu blicken, versucht humane Biochemie zu verstehen und etwas ganzheitlich die Sache angeht, dann ergeben sich Lösungsansätze für eine Regeneration und Heilung von CFS/LongCovid. Denn der Körper lässt sich nun mal nicht in Schubladen einteilen sondern ist immer ein zusammenhängender Organismus.


0. Disclaimer

Die in diesem Vortrag enthaltenen Informationen können die Beratung durch einen Arzt nicht ersetzen. Sie sind keine medizinischen Anweisungen. Die gezeigten und vorgetragenen Inhalte dienen rein der Vermittlung von Wissen und sind nicht mit der individuellen Betreuung bei einem Sprechstundenbesuch zu vergleichen. Die Umsetzung der hier vorgeschlagenen Empfehlungen sollen daher immer mit einem qualifizierten Therapeuten abgesprochen werden. Das Befolgen der gezeigten und vorgetragenen Inhalte erfolgt auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung.


Quellen:


1. Jason LA, Mirin AA. Updating the National Academy of Medicine ME/

CFS prevalence and economic impact figures to account for population

growth and inflation. Fatigue Biomed Health Behav 2021;9:9-13

2. Komaroff AL, Bateman L. Will COVID-19 lead to myalgic encephalomyelitis/

chronic fatigue syndrome? Front Med (Lausanne)

2021;7:606824

3. Rowe KS. Long term follow up of young people with chronic fatigue

syndrome attending a pediatric outpatient service. Front Pediatr

2019;7:21

4. Katz BZ et al. Chronic fatigue syndrome after infectious mononucleosis

in adolescents. Pediatrics 2009;124:189-93

5. van Campen C (Linda) MC et al. Cerebral blood flow is reduced in

ME/CFS during head-up tilt testing even in the absence of hypotension

or tachycardia: A quantitative, controlled study using Doppler

echography.

Clin Neurophysiol Pract 2020;5:50-8

6. Shan ZY et al. Neuroimaging characteristics of myalgic encephalomyelitis/

chronic fatigue syndrome (ME/CFS): a systematic review.

J Transl Med 2020;18:335

7. Rowe PC et al. Myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome

diagnosis

and management in young people: a primer. Front Pediatr

2017;5:121

8. Carruthers BM et al. Myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue

syndrome.

J Chronic Fatigue Syndr 2003;11:7-115

by clinicians. Rev Environ Health 2015;30:223-49

10. Booth et al. (2013) und Galan F. et al. (2015)

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